Yin und Yang

Wenn von Harmonie und Ausgleich die Rede ist, dann fallen oft die beiden Begriffe Yin und Yang.

Yin und Yang entstammen ursprünglich der chinesischen Philosophie und sind zwei entgegen stehende Prinzipien, die sich im immerwährenden Kreislauf gegenseitig beeinflussen. Ihr Wirken ist allgegenwärtig und unweigerlich jeweils auf den anderen Pol bezogen. Ganz gleich ob wir das Universum, die Welt oder uns selbst und unsere Umgebung betrachten.

Jeden Tag und jede Minute werden wir Zeugen des ewigen Wandels zwischen diesen unterschiedlichen Urkräften. Steigt das Yin, sinkt das Yang. Genauso wie umgekehrt. Durch dieses Prinzip bleibt die Welt in Bewegung und letztlich führt dieser polare Kräftewandel zum regelmäßigen Ausgleich eines Zustands.

Yin und Yang Ausgleich

Yin und Yang-Elemente im Einklang

In jeder Bewegung finden wir diese beiden Kräfte: öffnen und schließen, aufsteigen und absteigen. So geht es uns auch im Alltag, denn unsere Emotionen wechseln zum Beispiel von munterer zu bedrückter Stimmung. Erfolge wechseln sich mit Misserfolgen ab. Manchmal haben wir Glück und manchmal Pech.

Auch wenn wir oft ein anderes Bild haben: es gibt weder reine Glückspilze noch vollkommene Pechvögel. Es gibt allerdings durchaus Phasen, in denen wir dauerhaft starken Gegenkräften ausgesetzt sind. In diesen Phasen ist es dann besonders wichtig aktiv gegenzusteuern und den notwendigen Ausgleich zu finden.

Schaffen wir dies nicht, sind meist gesundheitliche Probleme die Folge.

Chinesische Philosophie von Yin, Yang und Qi

Das Yin-Yang-Prinzip spielt in der chinesischen Philosophie, insbesondere im Daoismus (auch Taoismus) eine entscheidende Rolle.

Der Daoismus hat seine Wurzeln im 4. Jahrhundert v. Chr. und bildet gemeinsam mit dem Konfuzianismus und dem Buddhismus die „Drei Lehren“ Chinas.

Seine Ursprünge gehen zurück auf den legendären chinesischen Philosophen Laozi. Er und seine philosophischen Ideen haben heute noch Millionen Anhänger in China und der ganzen Welt.

Eine wichtige Stellung im Daoismus nimmt neben Yin und Yang auch das Qi ein. Dieses umschreibt die Energie, den Atem und die Emotionen des Menschen. Qi bildet die Grundlage der traditionellen chinesischen Medizin (TCM), spielt aber auch im Feng Shui eine Rolle.

Die Ideen des Feng Shui sind im Westen besonders bekannt und haben hier einen wahren Boom ausgelöst. Beim Feng Shui wird der Mensch mit seinem Lebensraum in Einklang gebracht, Energien sollen durch die Raumgestaltung möglichst frei fließen und das Wohlbefinden und damit auch die Gesundheit steigern.

Feng Shui-Berater sprießen mittlerweile wie Pilze aus dem Boden und viele Architekten haben sich entsprechend weitergebildet, um Wohn- und Gartenbereiche entsprechend harmonisch zu planen.

Entgegengesetzt und doch verbunden

Mittlerweile sind zahlreiche ostasiatische Prinzipien nicht nur in Asien, sondern auch in der modernen Philosophie und Lebenskunst rund um den ganzen Globus verbreitet. Besonders auf Europa, Nordamerika und Australien scheinen die Ideen des Fernen Ostens eine besondere Anziehungskraft auszuüben.

Dies hängt nicht nur mit der Verbreitung der Chinesischen Kultur in diesen Regionen zusammen, sondern auch mit der faszinierenden Klarheit und Logik ihrer grundlegenden Erkenntnisse.

Demnach sind Yin und Yang zwar entgegen gesetzte aber untrennbar verbundene Kräfte, deren Bewegungen und Wandlungen die Welt entstehen lassen.

Das bekannteste Symbol dieser Philosophie ist das Taiji (oft auch als Yin-Yang-Symbol bezeichnet). Das schwarz-weiße, kreisförmige Symbol besteht aus zwei Elementen, die jeweils einen Punkt des anderen in sich tragen. Oft wird das Symbol als zwei Fische beschrieben, die Kopf und Schwanz aneinander schmiegen.

Byodo-In Tempel Hawaii

Byodo-In Tempel auf Hawaii (c) EM

Das Taiji findet sich erstaunlich oft in der Natur wieder (bei gewachsenen Baumstämmen oder in Formationen der Tierwelt). Es war übrigens in ähnlicher Form faszinierender Weise auch schon in der europäischen Antike bei Völkern wie Kelten und Römern bekannt.

Definitionen und Eigenschaften

Yin und Yang sind auf keinen Fall vergleichbar mit Definitionen wie „gut“ oder „böse“. Die Übersetzung ins Deutsche entspricht am ehesten einem „schattigen Ort“ für Yin und einer „sonnigen Anhöhe“ für Yang.

Für Europäer eher gewöhnungsbedürftig erscheint beim Taiji-Zeichen das dunkle Symbol traditionell als weiblich, das helle Symbol als männlich. Die Deutung wird in westlichen Kreisen oft verdreht und damit missverstanden wiedergegeben.

Yin ist dunkel, weich und kalt. Yang ist hell, hart und heiß.

Yin steht für den Mond (Nacht), Yang für die Sonne (Tag).

Yin ist passiv und aufnehmend. Yang ist aktiv und abgebend.

In der traditionellen chinesischen Medizin werden auch die verschiedenen Organe des Menschen entweder Yin oder Yang zugeordnet. Yin-Organe (Zang) sind zum Beispiel die Leber, das Herz und die Lunge, Yang-Organe (Fu) sind Magen, Darm und Blase.

Sogar die chinesische Küche beachtet diese Prinzipien, denn auch dort werden die Nahrungsmittel und Gewürze den entsprechenden Gruppen zugeordnet und entsprechend verwendet.

Daneben macht auch die moderne Yoga-Lehre Unterschiede zwischen einzelnen Richtungen des Yoga, so gibt es das sanfte, ruhige Yin-Yoga und das dynamische, fordernde Yang-Yoga.

Yin-Yang-Power: der ehrliche Mittelweg

Unabhängig von der persönlichen Einstellung zur traditionellen chinesischen Medizin und in weltanschaulichen Fragen kann man sich auch außerhalb Asiens die befreiend einfache Aussagekraft von Yin und Yang zu Nutzen machen.

Mit einem Grundverständnis der Kräfte von Yin und Yang kann man bereits viele Dinge im Alltag objektiver angehen. Sei es innerhalb der Familie, im Freundeskreis oder auf der Arbeit: Wer die entgegengesetzt wirkenden Kräfte erkennt, kann Entscheidungen objektiver und zielgenauer treffen.

Dieses Verständnis hilft einen Mittelweg zu finden: ohne andauernde Extreme, aber in annähernder Harmonie, Selbstsicherheit und Zufriedenheit. Wer ein solches Leben sucht, der ist mit Yin und Yang auf einem guten Weg und wird seine Motivation und Lebensenergie steigern (Yin-Yang-Power).

Das Verständnis von Yin und Yang fördert dabei auch einen realistischen Optimismus und das Positive Denken. In der Wechselbeziehung zwischen Gesundheit, Privatleben und Beruf (Vital-Dreieck) schaffen wir durch Positives Denken eine Potenzierung unserer der Kraft.

Wir erkennen: auf die Nacht folgt unweigerlich der Tag. Nach langem, grauem Regen kommt irgendwann die wärmende Sonne. Wiederum bringt nach einem erschöpfend heißen Augusttag ein ersehnter Sommerregen wieder Leben in die Natur.

Erkennen Sie im Regen nicht nur den ungemütlichen Aspekt, sondern auch das Wasser als Ursprung des Lebens. Er erspart Ihnen heute nicht nur das Blumengießen, sondern er sorgt dafür, dass morgen Bäume und Pflanzen wieder grün in der Sonne stehen.

Wer dies versteht, begrüßt den Regentag mit einem Lachen. Machen Sie Ihren Regenschirm auf und stärken Sie Ihre innere Kraft gegen die schlechte Laune. Denken Sie an die Sonne hinter den Wolken, die Sie bald wieder besuchen wird.

Mit Geduld die Komfortzone verlassen

Zeigen Sie anderen Menschen, dass man auch im Regen Freude an Bewegung und frischer Luft haben kann. Wenn Sie dann noch die anderen lächelnd grüßen, ist die Sonne schon in Ihnen und den anderen aufgegangen.

Dabei darf die gute Laune und die positive Energie nicht aufgesetzt sein. Dauerstrahlende, laute und übermotivierte Stressmanager gibt es genug.

Die innere Überzeugung an die regulierenden Kräfte von Yin und Yang schafft vielmehr eine selbstsichere Überzeugung und Gelassenheit, die negative Blockaden zu beseitigen bzw. gar nicht mehr aufkommen zu lassen. Natürlich ist dafür auch ein Leben im Ausgleich wichtig: Sport ist ideal als Gegenpol zu beruflichem (aber auch privatem) Stress.

Aber auch das leichte Bewegen heraus aus der verkrusteten und langweiligen Komfortzone ist wichtig. Neue Entdeckungen machen, mit neuen oder alten Freunden etwas unternehmen und lernen seinen Standpunkt zu finden und ehrlich zu vertreten. Zu sich selber stehen und sich weiterentwickeln.

Nicht nur „Ja“ sagen, sondern auch „Nein“ sagen. Das ehrliche Hinauslassen von Gefühlen, wenn auch je nach Situation in dosierter Form. Und auch der Abbau von negativen Gefühlen und Blockaden aus der Vergangenheit ist dabei befreiend. Dies muss nicht immer mit einem extremen Adrenalinkick verbunden sein.

Das langsame Herantasten an neue Ideen und das kontinuierliche arbeiten an den eigenen antrainierten Verhaltensweisen ist nachhaltiger und effektiver. Ziele sind dabei nicht verbissen zu fokussieren, sondern zwanglose Wege sind die eigentliche Ziele des persönlichen Glücks.

Haben Sie Interesse an dieser Lebensphilosophie? Dann wünsche ich Ihnen auf dieser Seite viel Freude!